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Historische Grundlagen der Inneren Führung

Beim politischen Neuaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg kam es darauf an, aus der Vergangenheit zu lernen. Als erste Konsequenz gab sich die 1949 entstehende Bundesrepublik Deutschland mit dem Grundgesetz eine Verfassung, die als die freiheitlichste Verfassung in der deutschen Geschichte gilt. Mit Artikel 1 Absatz 1 wurde als Antwort auf die jüngste Geschichte ein völlig neues Werte- und Normensystem in Kraft gesetzt, das radikal mit der kollektivistisch orientierten Ideologie des Nationalsozialismus brach: Der Mensch als Individuum sollte im Mittelpunkt allen staatlichen Handelns stehen.

Wolf Graf von Baudissin

Wolf Graf von Baudissin (Quelle: Bundeswehr)

Mit dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland am 9. Mai 1955 wurde auch die Frage eines nationalen Wehrbeitrages grundsätzlich entschieden. Es galt nun, die neu aufzustellenden Streitkräfte in das bereits bestehende Staatswesen zu integrieren.

Ziel war es, das Menschenbild des Grundgesetzes auch für den Soldaten der Bundeswehr zur verbindlichen Vorgabe zu machen. Er sollte Soldat mit allen verfassungsmäßigen Rechten eines Staatsbürgers sein. Seine Rechte sollten nur insoweit eingeschränkt werden, wie dies für die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Streitkräfte geboten war.

Durch eine Ergänzung des Grundgesetzes und durch eine gesetzlich verankerte Militärreform erlangte man unter intensiver Beteiligung aller politisch und gesellschaftlich relevanten Gruppen die notwendige Zustimmung zur Aufstellung einer neuen Armee, die eine „Parlaments-, Staatsbürger-, Bündnis- und Verteidigungsarmee“ (General a.D. DE Maizière) sein sollte. Erst durch die Reformen war es möglich, sowohl die Armee in die Verfassungsordnung als auch ihre Soldaten als Staatsbürger in die Gesellschaft zu integrieren und die notwendige Legitimation zu erwirken.

Die Parlamentarier folgten bei der Wehrgesetzgebung den liberaldemokratischen Vorstellungen des Grafen Baudissin. Sie gingen dabei vom Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ aus, der zugleich „freier Mensch, guter Staatsbürger und vollwertiger Soldat“ ist. Der Staatsbürger in Uniform war konzipiert sowohl als Leitbild für den modernen Soldaten als auch als Ausgangspunkt für die Festlegung der rechtlichen Normen, die für ihn gelten sollten (u.a. Soldatengesetz). Auf der Grundlage dieser Zielvorgabe wurden am 10. Januar 1953 im Amt Blank, dem Vorläufer des Bundesministeriums der Verteidigung, die Arbeitsgebiete Inneres Gefüge, Information und Erziehung sowie Truppenbetreuung unter dem Sammelbegriff „Innere Führung“ zusammengefasst. Inhaltlich verstand insbesondere Baudissin Innere Führung als ein pädagogisches Konzept, das auf der Basis einer angemessenen Führungsphilosophie und Inneren Ordnung die Realisierung des Staatsbürgers in Uniform in der Truppe bewirken sollte. Dies wollte man durch eine Vielzahl von Maßnahmen erreichen, die in etwa den heutigen Anwendungsbereichen der Inneren Führung entsprechen.

Darüber hinaus war man aufgrund eingehender Analysen von Staat und Gesellschaft, der internationalen Lage, von Industrie und Technik und des daraus abgeleiteten künftigen Kriegsbildes davon überzeugt, dass der nach den Grundsätzen der Inneren Führung geführte, hoch motivierte und gut ausgebildete Staatsbürger in Uniform der effizientere Soldat sei, der allein gegenüber den Anforderungen eines künftigen Krieges bestehen können.

Diese Grundlagen der Inneren Führung wurden dann aufgrund der sich verändernden Rahmenbedingungen zu einer "Konzeption der Inneren Führung" weiterentwickelt.

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Stand vom: 25.11.15


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